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Münsterland-Tour - Historie

Von Andreas Klöden bis Stefan Schumacher, von Bradley McGee bis Thor Hushovd - in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben viele der heute besten Radsportler der Welt im Münsterland Station gemacht. Die Sparkassen-Münsterland-Tour und ihre Vorgänger-Rennen sind für zahlreiche heutige Radprofis zum Sprungbrett ins internationale Geschäft geworden.

 

Ihren Anfang hat die Geschichte der Münsterland-Tour mit einer Kooperation von RSV Steinfurt, RSG Emsdetten und Concordia Lengerich, die ab 1986 ihre Radrennen zu einer Drei-Etappen-Fahrt für Junioren und Jugend zusammengeschlossen haben. Richtig international wird der Rennsport für den Nachwuchs in Zusammenarbeit mit der Brauerei Rolinck. Von 1992 bis 1998 sind zur Internationalen Rolinck-Tour regelmäßig einige der besten Juniorenfahrer der Welt am Start. Das aktuelle und dritte Kapitel der Juniorenrundfahrt im Münsterland hat 2001 begonnen. Seitdem ist die Rundfahrt als Münsterland-Tour und ab 2002 als Sparkassen-Münsterland-Tour fester Bestandteil des internationalen Radsportkalenders.

 

1992 treffen sich im Peloton zwei Junioren, die heute gemeinsam im T-Mobile-Team unterwegs sind. Jörg Ludewig, im ostwestfälischen Steinhagen zu Hause und inzwischen als Profi unter anderem für Saeco bei der Tour de France erfolgreich, gewinnt die Rolinck-Tour vor Stefan Gogoll und Raphael Chila. Ein noch weitgehend unbekannter Andreas Klöden belegt 1992 - und damit zwölf Jahre vor seinem zweiten Platz in der Gesamtwertung der Tour de France - im Münsterland Rang 15. Palmarès 1992

 

1993 entscheidet der Luxemurger Benoit Joachim die Rolinck-Tour für sich, der später im Team US Postal um Lance Armstrong nicht unerheblichen Anteil an den Erfolgen des Amerikaners haben wird. Auf Platz zwei der Rundfahrt landet Christian Lademann, später Etappensieger unter anderem bei der Niedersachsen- und der Friedensfahrt und bis heute einer der stärksten Bahnfahrer der Welt. Grischa Niermann, seit vielen Jahren für das Team Rabobank unterwegs und unter anderem Gesamtsieger der Niedersachsen-Rundfahrt, gewinnt 1993 das Zeitfahren. Und auch Lokalmatador Christian Wegmann aus Münster, später unter anderem Gesamt-Dritter der Deutschland-Tour, nutzt die Rolinck-Tour für internationale Erfahrung, die er heute als sportlicher Leiter im Team Gerolsteiner weitergibt. Palmarès 1993

 

1994 drückt der Australier Bradley McGee der Tour durch das Münsterland seinen Stempel auf. McGee, für die Equipe Francaise des Jeux unter anderem zweifacher Etappensieger bei der Tour de France und auf der Bahn mehrfacher Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, gewinnt 1994 die Königsetappe der Rundfahrt von Senden nach Burgsteinfurt. Christian Wegmann wird 1994 Fünfter. Palmarès 1994

 

1995 setzt sich mit Peter Lernout im Münsterland ein Belgier durch. Zweiter wird Jonas Owczarek. Im Feld fährt damals unter anderem Gerben Löwik mit, heute Rabobank-Profi und 2003 Etappensieger der Deutschland-Tour. Palmarès 1995

 

1996 siegt im Münsterland der heutige Gerolsteiner-Profi Ronny Scholz. Scholz, als Profi unter anderem Gesamtsieger der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, setzt sich vor dem Belgier Stijn Devolder, als Profi Etappensieger bei den Vier Tagen von Dünkirchen und heute beim Team Discovery Channel unter Vertrag, sowie dem späteren Junioren-Weltmeister Holger Loew durch. Vierter wird Stefan Ganser. Die Etappe in Ochtrup gewinnt dabei der Norweger Thor Hushovd, heute zweifacher Etappensieger bei der Tour de France und 2005 in Frankreich Gewinner des grünen Trikots. Das Zeitfahren gewinnt 1996 im Münsterland der heutige Gerolsteiner-Profi Sebastian Lang, heute Gesamtsieger der Hessen-Rundfahrt und in der U23 Vize-Weltmeister im Kampf gegen die Uhr. Im Münsterland außerdem mit dabei: Rund-um-Köln-Sieger David Kopp, heute Gerolsteiner-Profi, und Tour-de-France-Etappensieger Matthias Kessler, heute im T-Mobile Team. Palmarès 1996

 

1997 belegt Matthias Kessler im Münsterland schon Platz drei. Der Sieg geht an den Berliner Björn Schröder, der heute an der Seite von Erik Zabel im Team Milram fährt. Palmarès 1997

 

1998 setzt der Thüringer Andreas Günther mit seinem Sieg den Schlusspunkt unter die Geschichte der Rolinck-Tour. Im Feld fahren unter anderem der Coesfelder Christoph von Kleinsorgen, heute im Team Lamonta und unter anderem Etappensieger bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, Stefan Schumacher, heute im Team Gerolsteiner und unter anderem Gesamtsieger der Niedersachsen- und der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, sowie Christian Knees mit, der heute Profi bei Milram ist. Palmarès 1998

 

2001 erlebt der Neustart unter etwas veränderter Organisation den niederländischen Junioren-Meister Reinier Honing als Sieger. Der Sieg der Königsetappe in Tecklenburg geht dabei an den Niederländer Niels Scheunemann, in der U23 später Vizeweltmeister im Zeitfahren und heute bei Rabobank unter Vertrag. Siebter der Neuauflage wird für das Team NRW Thomas Fothen - seit 2006 als Neuprofi bei Gerolsteiner im Profigeschäft dabei. Palmarès 2001

 

2002 geht der Sieg der Sparkassen-Münsterland-Tour an den Niederländer Jos Harms. Harms, inzwischen mit Profivertrag für das Team Löwik Meubelen unterwegs, setzt sich vor seinem Landsmann Marc de Maar und dem Dänen Matti Breschel durch. Zweiter der Auftaktetappe, die in der Innenstadt von Münster stattfindet, sowie Sieger des Zeitfahrens und Zwölfter der Gesamtwertung wird der Niederländer Thomas Dekker, der inzwischen für Rabobank fährt und unter anderem noch den Gesamtsieg der Tour de Normandie feiern wird. Gleich zweifacher Etappensieger und Gesamt-Dritter wird der heutige CSC-Profi Matti Breschel aus Dänemark. Zu den weiteren Protagonisten der Auflage 2002 gehören Artur Gajek, heute im Team Wiesenhof-Akud unter Vertrag, und Andy Schleck, luxemburgischer Zeitfahrmeister von 2005, der inzwischen ebenfalls für das Team CSC von Bjarne Riis fährt. Noch weitgehend wenig Aufmerksamkeit bekommt Platz 21 der Sparkassen-Münsterland-Tour von 2002. Der geht an Heinrich Haussler. Für Gerolsteiner wird Haussler 2005 eine Etappe der Vuelta gewinnen. Palmarès 2002

 

2003 startet die Sparkassen-Münsterland-Tour erstmals vor großer Kulisse in Ahlen. Nach vier Etappen setzt sich der Belgier Juergen Roelandt durch. Auf den Plätzen landen der Russe Evgueni Nikitin und der Berliner Lars Burchert. Artur Gajek wird Fünfter, der Luxemburger Andy Schleck Sechster. Platz 16 holt sich Alexander Gottfried, der zwei Jahre später eine Etappe der Tour de l’Avenir gewinnen wird. Palmarès 2003

 

2004 schreibt sich Marcel Barth in die Siegerlisten der Sparkassen-Münsterland-Tour. Auf den Plätzen landen der Niederländer Frank Wierstra sowie Sebastian Schümberg. Noch ist offen, wer von den Junioren dieser Rundfahrt sich in Zukunft auch bei den Profis etablieren wird. Einige sind jedoch auf dem besten Wege, denn wenige Tage nach dem letzten großen Test im Münsterland holt sich der 17-jährige Thüringer Patrik Gretsch in Bardolino den Titel des Junioren-Weltmeisters im Einzelzeitfahren. Komplettiert wird der deutsche Triumph in Bardolino durch Stefan Schäfer, der hinter dem Tschechen Roman Kreuziger Dritter wird. Ein Erfolg, für den Junioren-Bundestrainer Patrick Moster unter anderem folgende Erklärung findet: „Wir hatten eine gute Endvorbereitung bei der Münsterland-Tour und einem anschließenden Trainingslager. Vom Umfeld her hat alles gepasst.“ Auf Platz 31 kommt 2005 Dominik Roels ins Ziel, der sich die Strecken dabei aber offensichtlich ganz besonders gut angesehen hat. Palmarès 2004

 

2005 erlebt die Sparkassen-Münsterland-Tour mit dem neuen Etappenort Beckum sowie neuen Maßstäben in der Organisation einen Meilenstein ihrer Entwicklung. Außerdem geht mit Patrik Gretsch erstmals ein aktueller Straßen-Weltmeister bei der Sparkassen-Münsterland-Tour ins Rennen. Den Sieg holt aber ein anderer: In einer Parfourcefahrt auf dem letzten Teilstück in Ibbenbüren sichert sich der Kölner Dominik Roels nach dem Sieg in Coesfeld gleich seine zweite Etappe und den Gesamtsieg der Tour. Auf die Plätze fahren Sergej Fuchs und der Niederländer Lars Vierbergen. Patrik Gretsch holt nach seinem Sieg im Zeitfahren Rang 19 in der Gesamtwertung. Die erste Etappe in Ahlen gewinnt Tino Meier. Palmarès 2005

 

2006 gehen die Etappensiege der Sparkassen-Münsterland-Tour nach Belgien und Norwegen. Auf den Strecken des Vorjahres in Ahlen, Beckum, Coesfeld und Ibbenbüren setzt sich in der Gesamtwertung aber ein Niederländer durch. Coen Vermeltfoort vom Team Krolstone holt sich das weiße Führungstrikot der Sparkasse beim Zeitfahren in Beckum und gibt es bis zum Finale in Ibbenbüren auch nicht mehr ab. Auf der Abschluss-Etappe reicht ihm ein Platz in der ersten Verfolgergruppe, um außerdem auch das grüne Trikot des besten Sprinters zu verteidigen.

Den letzten Etappensieg der Tour holt sich am Rand des Teutoburger Waldes wie zum Auftakt in Ahlen in Belgier. Nachdem Michael van Staeyen vom Team Vlaanderen sich am Freitag an der Werse als bester Sprinter der Ausreißer präsentiert, holt sein Landsmann Klaas Lodewyck vom Avia-Team Waasland sich den Schlussabschnitt. Er setzt sich im Finale der mit 110,88 Kilometern längsten Etappe im Spurt einer Ausreißergruppe vor seinem Landsmann Sibrecht Pieters und Felix Schäfermeier aus der NRW-Auswahl durch. Die Etappen zwei und drei in Beckum und Coesfeld gewinnen am Samstag der norwegische Zeitfahrspezialist Ole Havardsholm sowie sein Landsmann und Teamkollege Sten Stenersen.

Damit holen die deutschen Nachwuchsradsportler mit Alex Schmitt und Felix Schäfermeier aus dem Landeskader Nordrhein-Westfalens zwar hinter Vermeltfoort die Plätze zwei und drei in der Gesamtwertung, gehen bei den Etappen aber leer aus. Schmitt sichert sich dafür aber noch das blaue Nachwuchstrikot vom Stadtmarketing Beckum für den besten Fahrer des jüngeren Juniorenjahrgangs. Die meisten Bergpunkte und damit das Trikot des Stadtmarketings Ahlen holt Florian Harbig aus der Landesauswahl Thüringens. Palmarès 2006

 

2007 gewinnt Matthias Allegaert. Der Nachwuchs-Radsportler aus Belgien holt sich in Ibbenbüren mit dem Sieg auf der Finaletappe auch die Gesamtwertung, der 17-Jährige hatte im Finale einer hochspannenden Etappe die besten Beine und gewinnt den Sprint des 29-köpfigen ersten Feldes. Die deutschen Fahrer sichern sich nach vier Etappen, 300,7 Kilometern und mit nur sieben und neun Sekunden Rückstand durch Nils Plötner aus der Landesauswahl Thüringens und Alex Schmitt aus dem Team Nordrhein-Westfalen die Plätze zwei und drei.

Nach dem belgischen Auftaktsieg am Freitag in Ahlen durch Tim Declercq gewinnt das Zeitfahren am Samstagvormittag Niedersachsen-Rundfahrt-Sieger Michael Hümbert aus dem Saarland. Das dritte Teilstück am Samstagabend in Coesfeld geht an den Belgier Thomas op de Beek. Palmarès 2007

 

2008 holt Jakob Steigmiller den Sieg der Rundfahrt, die in Oelde, Wadersloh, Beckum und Sünninghausen stattfindet. Der Deutsche Zeitfahremeister eroberte beim Zeitfahren in Beckum die Führung und baute die auf der anspruchsvollen Schlussetappe in Sünninghausen weiter aus. Guilaume van Keirsbulck (Belgien), der 28 Kilometer vor dem Ziel stürzte, verteidigte Rang zwei und das blaue Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Tosh van der Sande nach Platz zwei in Oelde auf Platz zwei, gewann dann in Wadersloh und trug damit zumindest für einen Tag das Trikot des Spitzenreiters. Nach vier Etappen blieb ihm am Ende zumindest das Trikot des besten Sprinters, das der Belgier souverän gewann. Das Trikot des besten Kletterers, das er schon in Oelde erobert hatte, verteidigte der Däne Christian Kreutzfeld mit einem starken Auftritt auf der Sünninghausener Finaletappe bis zum Schluss. Palmarès 2008

 

2009 haben die Belgier die Rundfahrt fest im Griff. Gesamtsieger wird Kevin de Jonghe vom Avia-Team Waasland vor seinem Teamkollegen Guillaume van Keirsbulck und Jochen Deweer aus der Nationalmannschaft Belgiens. De Jonghe gewinnt die Auftaktetappe in Ahlen und mit knappen Vorsprung vor van Keirsbulck das Zeitfahren in Reken, van Keirsbulck anschließend in Reken die 86 Kilometer lange Etappe. Auf der 115 Kilometer langen Schlussetappe in Unna, auf der über 2000 Höhenmeter zu erklimmen sind, setzen sich Deweer und de Jonghe eine Runde vor dem Ziel aus einer fünfköpfigen Spitzengruppe ab, Deweer entscheidet den Schlussspurt für sich. Neben dem Gesamtsieg und zwei Etappensiegen feierte de Jonghe auch noch den Gewinn der Sprint- und der Mannschaftswertung. Die deutschen Fahrer blieben dagegen auch im Finale ohne große Erfolge, einzig Michael Schwarzmann von der bayerischen Landesauswahl eroberte das Trikot des besten Bergfahrers. In der Gesamtwertung wurde Schwarzmann mit 2:42 Minuten Rückstand elfter. Insgesamt erreichten von 149 am Freitag gestarteten Fahrern nur 60 das Ziel in Unna. Palmarès 2009

 

Zusammengestellt von Stefan und Mathias Schwenke


     




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